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Land und Leute

Die Landschaft, Gegensätze in perfekter Harmonie...

Die kleine Zeitung zitierte mich einst am 1. März 1998 mit den Worten: "Nicht nur die Kultur ist sehenswert, sondern auch die Landschaft ist irgendwie in ihrer Schönheit und Vielfältigkeit einmalig. So ist es ohne Probleme möglich, in zwei Stunden von einer Almlandschaft zu einer ungarisch anmutenden Tiefebene zu fahren.". Zu diese Aussage, die ich seinerseits auf meiner Stubenbergseite geschrieben hatte stehe ich auch noch heute.

Es gibt wohl kaum eine Gegend in der die Landschaft so gegensätzlich erscheint und dennoch so viel Harmonie ausstrahlt. Folgen Sie mir doch über die Phyrnstrecke in die Oststeiermark. Wahrscheinlich werden Sie die neue Phyrnautobahn fahren, ein Meisterwerk des Straßenbaus. Nicht weniger als 13 Tunnels, wenn die letzte Lücke geschlossen ist werden es 16 sein, sind zu durchqueren. Haben Sie etwas mehr Zeit, lohnt es sich aber, auf die Autobahn zu verzichten und die wunderbare Landschaft der Obersteiermark zu genießen. Dieses Foto entstand anläßlich eines Mororradtrips meinerseits auf der steirischen Eisenstraße unweit von Eisenerz.

Das ändert sich aber schlagartig! Sobald Sie als krönenden Abschluß der Phyrnautobahn den 9919 Meter langen Plabutschtunnel hinter sich gelassen haben, vorher ging es noch mal so richtig durch das enge Murtal, werden Sie Ihren Augen nicht tauen! Flach wie ein Brett präsentiert sich das Grazer Becken. Keine Berge weit und breit, nur bei klarer Sicht sieht man eventuell ein paar Berge winzigklein am Horizont. Diese Luftaufnahme von Kalsdorf, dem Heimatort meiner Mutter, zeigt dies perfekt. (Dieses Bild stammt von einer alten Postkarte, ich hoffe, der Verlag verzeiht mir diese Urheberrechtsverletzung.)

Doch schon kurz nachdem Sie am Autobahnknoten Graz-West nach Osten, Richtung Wien, abgebogen sind, erreichen Sie das oststeirische Hügelland. Sanfte Hügel sperren die Straße nicht mehr in die Täler, sondern laden ein, sie zu erklimmen und bisweilen verläuft sie sogar auf dem Hügelkamm. Dies sind die Momente, wo Sie sich entscheiden müssen, ob Sie die Aussicht links oder rechts genießen wollen. Wälder und Wiesen strahlen Ruhe aus, Wege laden ein zum Wandern und Gasthäuser und Buschenschänken zur Einkehr. Das ist die Oststeiermark, die ich persönlich so liebe! (Das Bild zeigt den Blick vom Kulm, dem Hausberg der Stubenberger, auf den Stubenbergsee.)

Habe ich Ihnen in Sachen Gegensätze zuviel versprochen? Auch bei Ihren Ausflügen rund um Stubenberg am See werden Sie immer wieder mit diesen Gegensätzen konfrontiert. Eher flach im südlich gelegenen Thermenland und durchaus alpin Richtung Teichalm und Sommeralm. Und das ganze immer im harmonischen Miteinander.

Bedingt durch das milde Klima leben viele Bauern vom Obstanbau. Äpfel, Zwetschgen und sogar Pfirsiche gedeihen hervorragend. Ein besonderes Erlebnis ist die Apfelblüte - ein Traum in Zartrosa...

Die Leute, wie soll ich sie beschreiben?

Hmm, da habe selbst ich ein Problem! Wie soll man diese Menschen beschreiben, die auch heute noch die Gegend prägen, und dies nicht dem Tourismus überlassen. Gastfreundlich sind sie, extrem heimatverbunden und dennoch weltoffen, bedingt durch die unmittelbare Nähe Sloweniens schon ein wenig südländisch geprägt, was sich in der spürbaren Kinderfreundlichkeit zeigt, und dennoch typische Österreicher. Oder auch nicht?

Oststeirer sind halt Oststeirer. Man nehme eine gute Portion Österreich, eine Prise Ungarn und mische das ganze mit einer angemessenen Menge Slovenien ab. Hmm, das ist auch wieder zu plump, auch wenn es irgendwie stimmt. Man braucht nur die örtliche Volksmusik (die echte, nicht den volkstümlichen Schlager) anhören, dann spürt man den südlichen Einfluß, und trotzdem fühlt man sich als Österreicher. Auf jedem Fall handelt es sich um ein durchaus selbstbewußtes Volk an der Grenze zwischen der mitteleuropäischen und der südeuropäischen Kultur, das es irgendwie geschafft hat, die Vorteile beider Kulturen in sich zu vereinigen.

Das Selbstbewußtsein zeigt sich auch in der Tatsache, daß es der Tourismus bis heute noch nicht geschafft hat, dem Land sein Bild aufzuprägen. Auch wenn der Tourismus inzwischen nach der Landwirtschaft stellenweise die zweitgrößte Einnahmequelle ist, versucht man doch erfolgreich, sich treu zu bleiben. Gut so! Große Hotelpaläste sind, vieleicht mit Ausnahme der Thermalbäder, eher selten, Privatquartiere und Bauernhöfe mit oft weniger als 10 Betten die Regel. Urlaub mit Familienanschluß also. Gehen Sie freundlich und mit offenem Herzen auf Ihre Gastgeber zu, und es kann durchaus passieren, daß sich aus dem freundlichen Gast/Gastgeberverhältnis im Laufe der Jahre eine echte Freundschaft entwickelt. Dies ist in dieser Gegend gar nicht so selten.

Die Oststeiermark kann man eigentlich nicht beschreiben, man muß sie erleben, das sage ich als Ihr

Oskar Sembach


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