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Tierpark und Schloß Herberstein

Tierpark und Schloß Herberstein, ein harmloser Titel für das, was geboten wird. Da erwartet man doch in dieser Gegend nur einen Wildpark mit ein paar Hirschen und Wildschweinen und irgendein Schloß, bei dem man ein paar Räume besichtigen kann, oder?

Oder vielleicht doch nicht? Erste Zweifel an dem oben genannten Vorurteil kommen sofort auf, wenn Sie den großen Parkplatz sehen, der auch noch gut belegt ist. Da muß doch mehr dahinter stecken! Also folgen Sie mir doch einfach mal...

Also Auto abgestellt, und hin zur Kassa. Schluck, wie viel??? Billig ist der Eintritt nicht, aber dennoch lohnenswert! Dazu möchte ich später noch was sagen. Diskutieren Sie nicht mit der Kassiererin und halten Sie nicht den Verkehr auf, denn interessanterweise sind etliche Leute hinter ihnen, die trotz des hoch erscheinenden Preises unbedingt hinein wollen!

Denn schon wenige Meter nach der Kassa werden Sie erkennen, daß es sich um keinen Wildpark im herkömmlich Sinne handelt, sondern um einen Zoo mit Weltruf. Ja, Herberstein ist zwar unter Laien nicht so bekannt, wie die Zoologischen Gärten der Großstädte, aber in Insiderkreisen wird er als vollauf gleichwertig geführt. Sie haben eben einen Zoo betreten, der als wissenschaftlich geführter Zoo erfolgreich im Zuchtprogramm bedrohter Tierarten mitmischt!

Ein kleines Beispiel dafür soll dieses Bild zeigen. Dieser..., dieser - ach wie heißt er wieder, Herr Kaufmann? - ...dieser Vogel stapfte nur wenige Meter vor mir mit seinem frischgeschlüpften Kleinen durch die Wiese. (Wo ist das Kleine, ja da müssen Sie schon genau hinschauen, wie an so manchen Stellen im Zoo!)

Weil ich gerade Herrn Magister Andreas Kaufmann erwähnte, den Zoologischen Leiter von Herberstein. Ich hatte einmal das Glück, eine etwa einstündige private Führung mit ihm durch das Gelände erleben zu dürfen, ein Erlebnis der besonderen Art, von dem ich heute noch zehre! Seit seinem Amtsantritt ist er ständig bemüht, dem Zoo seinen Stempel aufzudrücken, und der heißt schlicht und einfach: "Optimale Bedingungen für die Kreatur!". Dies zeigte sich in den letzten Jahren auch in einem deutlich sichtbaren Umbau des Zoos. Entweder kann man einem Tier optimale Lebensbedingungen bieten, oder nicht. Letzteres hieß, abgeben an andere, die bessere Verhältnisse haben. Aufgrund dieser konsequenten Politik gibt es z.B. kein Bärengehege mehr und auch die viel zu kleinen Volieren der Eulen und Uhus sind Geschichte. Und die Tiere, die heute im Tierpark leben, haben optimale Verhältnisse, und genügend Auslauf.

Dies merken Sie bereits am Anfang des Rundganges, wenn Sie an den riesigen Gehegen der Büffel und der Wildpferde vorbeilaufen. Auch das anschließende Wolfsgehege ist so groß, daß Sie bisweilen das Pech haben, keinen Wolf zu sehen! Jedem Tier wird die Möglichkeit gegeben, sich nach Bedarf zurückzuziehen! Herr Kaufmann vertritt zurecht die Meinung, ein Tier ist ein Lebewesen und kein Ausstellungsstück! Und das merkt man, wenn man mit offenen Herzen durch das Gelände geht, immer wieder!

Nach dem Wolfsgehege geht es steil bergan, vorbei an diversen Hirschen und Gemsen zum Pumafelsen. Dort, am höchsten Punkt lädt erst mal ein Kiosk zur Stärkung ein. Wie wäre es mit einem Eis für die Kinder, einem Kaffee für die Frau und einem original Herbersteiner Bier für den Vater? Übrigens, der Platz rund um den Kiosk wurde völlig neu gestaltet.

Frisch gestärkt geht es wieder den Berg owi (hinunter), am Aussichtsbaum vorbei (Klettern Sie ruhig die Treppe auffi (hinauf) und Sie ergattern den ersten Blick auf das Schloß.) und Sie kommen zu den Präriehunden (Für Laien: so eine Art Murmeltiere) Sie werden erstaunterweise feststellen, daß sie nicht eingesperrt sind, die Präriehunde, sondern sich völlig frei bewegen können. Die Absperrung vor ihrem Revier dient nur dazu, die Menschen abzuhalten, die Tiere bleiben freiwillig in ihrem Terrain, was dafür spricht, daß sie optimale Lebensbedingungen haben!

Bei dem weiteren Weg, der an den Leoparden und Pumas vorbeiführt, gelangen Sie langsam zu den historischen Gartenanlagen. Nicht ohne vorher einen Blick auf das Schloß zu werfen. Tief unten zeigt es sich von seiner schönsten Seite. Und man bekommt eine Ahnung, warum es nie eingenommen wurde. Weit niedriger als die umliegenden Berge, und dennoch auf einem schroffen Felsen, war es uneinnehmbar und dennoch verborgen. So mancher Kriegsherr hat sicher das Schloß nicht eingenommen, weil er es einfach nicht gefunden hat. Bitte beachten Sie auch den toten Baum auf dem Bild. Auch er stellt ein Symbol für das Bestreben dar, den Tierpark so natürlich wie immer möglich zu gestalten. Totholz ist ein wertvoller Lebensraum für viele Tierarten.

Von hier ist es nicht mehr weit bis zu den historischen Gartenanlagen. Der historische Rosengarten und der Sigmundsgarten, benannt nach Freiherr Sigmund von Herberstein (1486-1566), dem wohl berühmtesten Sproß der Familie, stellen sicher ein Meisterwerk der Gartenarchitektur dar! Das Bild, kann die Schönheit dieser Anlage kaum vermitteln. Das müssen Sie selber sehen! Wichtiger Hinweis: Sie sollten unbedingt die, im Eintrittspreis includierte, und damit für Sie kostenlose Gartenführung miterleben, es lohnt sich.

Unten ist der Rosengarten, voll mit der Symbolik der Farben, und hinter dem Affenhaus, das die beiden Teile durch seine Transparenz eher verbindet statt trennt, erhebt sich der Sigmundsgarten strotzend voll Symbolik (Aber das lassen Sie sich am besten bei einer Führung vor Ort erklären!), einem kleinen Rückblick auf die Geschichte der Gartenarchitektur, und einem Raum, der Sie mit wechselnden Ausstellungen zum Verweilen einlädt.

So, bis hierher haben Sie inzwischen schon zwei oder drei Stunden verbracht, die Kinder werden quengelig, die Mama hat Hunger und der Papa Durst! Dann halten Sie sich links an den Wirtschaftsgebäuden vorbei, immer den Berg hinauf bis zur Tikiba-Schenke. Große Edelgastronomie ist hier nicht angesagt, aber glauben Sie mir, so eine echte steirische Krainerwurst mit Senf und Kren in harmonischer Einheit mit einem Becher steirischem Apfelmost... ein Traum!

Während die Eltern noch die Mittagspause genießen, tollen die Kleinen am Spielplatz rund um den Märchenbaum herum, oder spielen mit den Tieren im Streichelzoo. Im Herberseinshop können Sie auch noch Andenken kaufen, bevor Sie Ihre Eintrittskarte für das Schloß einlösen. Wie kommen Sie zum Schloß? Entweder sportlich zu Fuß, am Maierhof vorbei, der immer mit wechselnen Ausstellungen lockt, oder mit der Traktoreisenbahn, die zwar einige Cent extra kostet, aber die paar hundert Meter zum Schloß bequem im Sitzen überbrückt.

Und damit kommen wir zum sicher interessantesten Teil des Angebotes, dem Schloß Herberstein. Seit 800 Jahren durchgehend im Besitz der Familie wird es auch heute noch von ihr bewohnt! Baugeschichtlich interessant ist, daß es eigentlich nie groß um- sondern immer angebaut wurde. So gestaltet sich die Schloßführung zu einer Zeitreise, ausgehend von der Renesance über die Gothik bis hin zur Romanik des 12. Jahrhunderts. Es werden für jeden Geschmack im Wechsel drei verschiedenen Führungen angeboten: "Leben im Schloß", da bekommen Sie die Prunkräume zu sehen, "Herberstein einmal anders", mit den Kellergewölben, den Gefängniszellen und dem Schlangenhof, oder die Kinderführung "Auf den Spuren der Hufeisennasen", bei der Ihre Kinder, als Vampiere verkleidet (Es werden entsprechende Umhänge verteilt) ganz kindgerecht das Schloß entdecken dürfen. (Vom Inhalt her ist diese Führung eine Mischung aus den beiden erstgenannten.) Egal für welche Führung Sie sich entscheiden, sehenswert sind sie alle. Wie gesagt, eine Führung ist im Eintrittspreis includiert, und wenn Ihnen dies nicht genügt, können Sie für ein paar Euro noch eine weitere Führung draufsatteln.

Im Schloß ist auch der dritte gastronomische Betrieb, hier bekommen Sie eine Tasse Kaffee, oder Sie verkosten die zugegebenerweise nicht ganz billigen, aber hervorragenden Weine des Gutes Herberstein. Warnung: Sie werden der Versuchung erliegen, eine Flasche mit nach Hause zu nehmen!

Abgerundet wird das ganze durch etliche Führungen, die üblicherweise im Eintrittspreis includiert sind. Ein ganz besonderes Highlight ist sicher die Mondscheinführung (Voranmeldung zwingend!), bei der man nachts, nach dem der Zoo geschlossen hat, die Gelegenheit erhält, nachtaktive Tiere zu erleben. Erkundigen Sie sich, Sie werden es nicht bereuen!

So, jetzt bleibt mir eigentlich nur noch eines: Eine Anmerkung zum Eintrittspreis. Der ist seit diesem Jahr wirklich sehr hoch. Besonders der Wegfall der Familienkarte trifft so manchen zahlenden Familienvater hart. So ist z.B. eine Familie mit 2 Schulkindern mit satten 44,- € dabei. Selbst Kleinkinder ab zwei Jahren und Hunde brauchen eine Eintrittskarte. Dieser hohe Preis ist sicher gerechtfertigt, wenn man das ganze Angebot inclusive Schloßführung nutzt, und sich so vier bis fünf Stunden Zeit nimmt. Will man lediglich mal durch den Zoo schlendern, weil man an der Schloßführung nicht so interessiert ist...? Ich würde mir an dieser Stelle noch eine Eintrittskarte ohne includierter Schloßführung wünschen. Noch ein Tipp: vergessen Sie, so Sie haben, auf keinen Fall Ihren Gästepaß, er erspart Ihnen ein paar €.

Weitere Infos finden Sie auch auf der hervorragend gestalteten Seite des Tierparks unter www.herberstein.co.at.

Fazit: Herberstein, ein wahrhaft exklusives Erlebnis,

Ihr Oskar Sembach.


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