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Kaag, wo ist das? Muß man es kennen? Eher nein? Oder doch eher ja? Dieses kleine Nest unweit von Rohrbach an der Raab, das eigentlich nichts zu bieten hat als ein paar Bauernhöfe...
Und dennoch ist Kaag etwas besonderes, ist es doch die Heimat einer der brühmtesten Maschinen weltweit, der Weltmaschin´. "Das amerikanische Fernsehn war schon da und das japanische...", Worte, die mir die Schwiegertochter des Franz Gsellmann stolz erzählte. Was ist das für eine Maschin´, die offensichtlich die Welt bewegt, und was hat das ganze mit Kaag zu tun? Nun diese letzte Frage ist die einzige, die ich sofort und ohne Probleme beantworten kann: In Kaag lebte Franz Gsellmann (1910-1981), der Erbauer der Maschin´. Was war dieser Franz Gsellman für ein Mensch? Wer ihn kannte, beschreibt ihn als einen träumerischen, nach innen gekehrten Mann. Er wollte gerne Elektriker werden, ein Traum der nie erfüllt wurde. Stattdessen übernahm er den elterlichen Bauernhof. Aber seine Liebe zur Technik und zu Maschinen sollte ihn nie loslassen.
Als er 1958 ein Bild das Atomiums der Brüsseler Weltausstellung sieht, stand es für ihn fest, das muß ich sehen! Und er macht sich auf die Reise nach Brüssel. Dort studierte und zeichnete er es, um postwendend wieder heimzukehren. Dies war die Geburtsstunde der Maschin´. Er fängt an, das Atomium nachzubauen und weiter und weiter und... In den folgenden 23 Jahren sollte die Maschine nicht fertig werden, immer neue Ideen wollten eingebaut werden. Er war ein treuer Gast aller Trödelmärkkte der Umgebung... "Glasstöpsel, ein Hausaltar, ein Motor von einer Waschmaschine, ein Spielzeugraumschiff..." Es gab nichts, was er nicht gebrauchen und in die Maschin´ einbauen konnte, und so entstand im Laufe der Zeit ein weltweit einmaliges Kunstwerk aus Schrott und Trödel, naiv, pfeifend, blinkend, ratternd und doch irgendwie faszinierend. Erst auf dem Todenbett liegend soll er gesagt haben: "Jetzt ist sie fertig, die Maschin´." Und da steht sie heute noch in Kaag, in einem einfachen Bauernhaus. Inzwischen wurde lediglich der Raum vergrößert um den Besuchern Platz zu bieten. Die Keimzelle der Maschin´, das Atomium kommt übrigens drei mal vor, zwei sind leicht zu finden, aber wo ist das dritte? Fazit: Haben Sie eine Antenne für das unbeschreibbare, für das vielleicht einigen Mitmenschen kindlich erscheindende, dann sollten Sie nach Kaag kommen und sich dort eine Stunde Zeit nehmen um den Traum eines Träumers auf sich einwirken lassen, es lohnt sich! Es is´ a Maschin´ die nix produziert, oder vielleicht doch? Sie produziert Freude und Träume..., aber ehrlich gesagt, sind nicht gerade dies die Dinge, die unsere Welt so bitter nötig hat?... Lasst und träumen, Ihr Oskar Sembach
Das Bild der Weltmaschin´ durfte ich mit freundlicher Genehmigung des Autors dem Bildband "Die Oststeiermark, Natur und Kulturland" von Bernhard Bergmann entnehmen. |